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Energieeffizienz-Klassen

Das bedeuten die neuen Energieeffizienzklassen 2019 für dich

Welche ist die höchste Energieklasse? A++ oder doch lieber mit einem extra Plus? Die verwirrenden Energielabels werden Ende 2019 durch neue, weniger unübersichtliche Energieeffizienzklassen ersetzt. Wie genau das aussieht und ab wann sich der Neukauf eines stromsparenden Geräts lohnt, verraten wir dir hier.

Ein bisschen erinnert es uns an die Zeit in der Schule: Gute Leistungen sind nicht einfach gut, sondern können mit einem „Plus“ noch einmal angehoben werden. Und ist die Ampel grün, kannst du gehen. Nur wurde das in den Achtzigern eingeführte Energielabel-System mit der Zeit immer unübersichtlicher.

Das bereits 1998 festgelegte Referenzgerät für einen optimalen Energieverbrauch mit der Note A wurde mit der Zeit technologisch überholt. Ein einfaches A reichte also nicht mehr. Es folgte in den darauffolgenden 20 Jahren nicht nur ein Plus, sondern gleich bis zu drei davon. Und auch das grün war nicht mehr sicher. Mittlerweile stehen Geräte mit der Energieeffizienzklasse A im gelben Bereich. Richtig grün wird’s erst bei A+++.

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Schluss sein mit dem irrsinnigen System soll daher sehr bald. Im Vorfeld hatte die Europäische Union sich einiges an Zeit für die Neuerungen genommen. Erste Geräte mit den neuen Labels, zurück beim klassischen A bis G, sollen Ende 2019 verfügbar sein. Doch kommen wir zunächst zu den geplanten Neuerungen.

Wie funktionieren die neuen Energieeffizienzklassen ab 2019?

Zu ihrem Start Ende 2019, beziehungsweise Anfang 2020, werden die neuen Energieeffizienzklassen zunächst für Glühbirnen, Fernseher und Waschmaschinen eingeführt. Es wird zum Start wohl gar keine Geräte mit der Klasse A und schon gar nicht mit A+++ oder sonstigen Extra-Markierungen geben. Um das Wirrwarr der letzten Jahre nicht zu wiederholen, werden die Klassen ab 2020 dann immer wieder neu angepasst.

Energieeffizienz-Klassen ab 2019
Energieeffizienz-Klassen ab 2019 – (c) enbausa.de

Das System soll so funktionieren: Fallen 50 Prozent der Geräte aus einer Kategorie wie etwa “Fernseher” auf dem Markt in Klasse A oder B, wird neu berechnet. Eine von der EU geschaffene Datenbank soll das Vergleichen von Geräten in Sachen Energieeffizienz online für alle möglich machen.

Das aktuelle Energielabel seit 2012 endet 2019. Neben der Energieeffizienzklasse gibt es Zusatzinfomrationen wie hier am Beispiel einer Waschmaschine. - Quelle: Umweltbundesamt
Das aktuelle Energielabel seit 2012 endet 2019. Neben der Energieeffizienzklasse gibt es Zusatzinfomrationen wie hier am Beispiel einer Waschmaschine. – Quelle: Umweltbundesamt

Das 2012 eingeführte Labelsystem der EU mit gerätespezifischen Zusatzinformationen wird beibehalten. So findet man beim Kauf von Waschmaschinen beispielsweise neben der Bewertung des Stromverbrauchs noch Informationen über den Wasserverbrauch, die Beladungsmenge, Geräuschentwicklung und die Schleuderwirkung mit eigenen kleinen Klassen.

Ab wann lohnt sich der Umstieg auf ein neues, energiesparenderes Gerät?

Die neue Verordnung über Energieeffizienzklassen soll Anbieter und Verkäufer auch verstärkt dazu anregen, auf stromsparende Geräte hinzuweisen. In der Werbung ist das allerdings mitnichten etwas Neues: Immerhin gilt es bei großen Geräten wie Kühlschränken schon seit jeher als großes Verkaufsargument, wenn diese besonders wenig Energie und damit geringere Kosten verursachen.

Nicht zuletzt gilt das Label „Energiesparend“ unter Verkäufern als Wachstumstreiber. Denn zufriedene Besitzer eines alten Geräts könnten so mit dem Argument einer niedriger ausfallenden Stromrechnung leichter zum Neukauf überredet werden. Und das auch noch bei gleichzeitiger Rettung der Umwelt!

Mit einem energiesparenden Gerät wird die Umwelt nicht gerettet

Doch hier ist Vorsicht geboten. Experten sprechen hier vom sogenannten „Rebound Effekt“. Gemeint ist damit die Auswirkungen der Neuproduktion auf die Umwelt. Energie-Einsparungen durch modernisierte Technik werden diese mittelfristig nicht einholen können. Einfacher gesagt: Die neue Waschmaschine verursacht bei der Herstellung Kosten für die Umwelt. Einsparungen durch eine verbesserte Energieeffizienz können das alles nicht rechtfertigen. Zumindest nicht, wenn es deine Motivation ist, nachhaltig zu handeln.

Die zur Herstellung verbrauchte Energie wird übrigens auch als „graue Energie“ bezeichnet und rechnet neben der Herstellung auch den Energieverbrauch bei Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung mit ein. Die Berechnung gilt als äußerst schwierig. Als Beispiel gelten immer nur Richtwerte.

Als Faustregel kannst du dir merken: Es ist energietechnisch immer besser, ein altes Gerät zu behalten, solange es noch funktioniert. Bietet ein Nachbar dir beim Auszug jedoch ein Altgerät mit einem optimaleren Energieverbrauch an, kannst du es dir überlegen.

Der Neukauf lohnt sich finanziell wirklich erst, nachdem dein alter Fernseher nicht mehr zu retten ist. Wenn die Waschmaschine nicht mehr schleudert, der Toaster nicht mehr heiß werden will. Oder die Reparatur all dieser Geräte auszuschließen bzw. schlicht zu teuer ist. Der Neukauf allein wegen modernisierter Technik rechnet sich tatsächlich nur in Ausnahmefällen. Hier geht man im Allgemeinen davon aus, dass Haushalte einem Gerät mindestens 10 Jahre treu bleiben sollten. Selbst bei der heutigen Entwicklungsgeschwindigkeit.

Am einfachsten und schnellsten sparst du übrigens, wenn du dir einen günstigen und verlässlichen Ökostromanbieter aussuchst. Hier kannst du deine Ersparnis berechnen.

Wie rechne ich den Energieverbrauch der alten und neuen Energieeffizienzklassen aus?

Ausrechnen kannst du es dir auch! Wenn der neue Kühlschrank beispielsweise mit einer Energieeffizienzklasse „A“ lockt und dein alter mit „G“ gekennzeichnet ist, solltest du im ersten Schritt erst einmal schauen, was dahintersteckt. Gemeint ist: der Verbrauch in Kilowattstunden. Bei den neuen Labels findest du diese Angabe direkt unter den bunten Klassenbezeichungen. Dort steht die Angabe in X kWh/annum, also dem Verbrauch pro Jahr.

Die modernen Labels seit 2012 haben dafür geräte-typische Verbrauchszeiten genutzt. Beim Fernseher wird von stolzen 4 Stunden pro Tag ausgegangen. Bei einem Staubsauger dagegen sind es mahnende 50 Reinigungen im Jahr. Alle Angaben findest du hier.

Ältere Labels oder Geräte mit Ursprung außerhalb der Europäischen Union sollten zumindest eine Angabe von X kWh pro Stunde bieten. Hauptsache irgendetwas, mit dem du rechnen kannst.

Ein Rechenbeispiel: Ab wievielen Jahren ammortisieren sich die Kosten für einen Neukauf?

Du besitzt eine Waschmaschine von Miele mit 12 Jahren auf dem Buckel und der Energieeffizienzklasse „A“. Das Label ist veraltet, doch in der Anleitung findest du folgende Angabe: „max 0,95 kWh“. Gehen wir davon aus, ein Waschgang dauert 1,5 Stunden. Bei einem guten Stromtarif mit etwa 0,27 Euro pro Kilowattstunde heißt das, ein Waschgang kostet dich etwa 39 Cent. Im Jahr und auf Basis der EU-Berechnung mit der Annahme von 220 Waschgängen im Jahr wären das 220 x 1,46 kWh = 321 kWh/annum. Oder: 86 Euro im Jahr.

Schauen wir uns das neue Gerät vor dem Kauf an. Dieses lockt mit einer Energieeffizienzklasse „A+++“ und kostet 380 Euro beim Händler. Ab 2020 würde es unter Klasse B fallen. Das neue Label macht das Ablesen des jährlichen Verbrauchs deutlich leichter: 217 kWh/annum. Also 59 Euro im Jahr.

Was das für dich bedeutet? Du sparst 27 Euro im Jahr, wenn du nur auf die Stromrechnung schaust. Bei den Anschaffungskosten von 380 Euro brauchst du demnach noch einmal 14 Jahre um dein Geld mithilfe von Energieeinsparungen wieder reinzukriegen. Der Umwelt tust du durch den Neukauf auch keinen wirklichen Gefallen. Denn die Herstellung des neuen Geräts hat Ressourcen gebunden, die Kiste wurde mehrfach transportiert, bis sie bei dir landete und dein altes Gerät muss auch noch entsorgt werden.

Treue lohnt sich also doch noch. Viel Spaß beim Waschen, Trocknen und Fernsehgucken!

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