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e-Lastenrad im Straßenverkehr

Lastenräder: Auf der E-Holspur

In der Regel meint man ja, die Zukunft der Mobilität ist elektrisch – und rollt auf vier Rädern. Dabei verkaufen sich bereits jetzt schon mehr Zweiräder. Nehmen wir auf der Fahrt in die Zukunft der Mobilität also das Rad?

Eine Verkaufsstudie vom Jahr 2016 besagt: Neben 11.400 neu zugelassenen Elektroautos konnten in Deutschland letztes Jahr ganze 15.000 E-Lastenräder verkauft werden. Steckste nicht drin. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Lastenrad sind die E-Lastenräder mit einem elektrischen Motor ausgestattet. Dieser soll dabei helfen, besonders schwere Gegenstände oder Personen im Gepäckbereich zu befördern.

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Die Branche jedenfalls jubelt bereits und wittert die große Chance. Das Lastenrad soll als Gewinner gegenüber Elektroautos aus dem Rennen hervorgehen. Selbst der ehemalige nordrhein-westfälische Verkehrsminister stimmt ein.  Er ließ sich mit dem Satz zitieren, dass „wir eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 schaffen. Aber auf zwei Rädern, nicht vier.“

Eine Frage des Antriebs

Wer fit bleiben will, ist sicher mit einem muskelbetriebenen Lastenrad bereits gut bedient. Dieses schlägt mit Preisen ab 1.500 Euro zu Buche. Also gegenüber dem elektrisch-betriebenen Lastenrad ab 2.000 Euro die etwas sparsamere Alternative. Beim E-Lastenrad muss man bedenken, dass der Akku je nach Modell etwa alle 50 km aufgeladen werden muss. Wartezeit: 4 Stunden. Das will schon eingeplant sein.

Zugegeben: Eine tolle Vorstellung, Kinder und Grill mal eben motorbetrieben in den Park zu wuppen. Und das, ohne komplett verschwitzt anzukommen. Aber mit einem solchen Gefährt muss man erst mal fahren können! Bereits ohne Gepäck hat man dann gute 50 Kilogramm unterm Hintern. Allein Motor und Akku können zusammen noch einmal mindestens 6 Kilogramm extra wiegen. Die Kinder und der Grill müssen nur noch dazu addiert werden.

Man kann sich also vorstellen, dass es mit der eleganten Fortbewegungsart eines schneidigen Rennrads dann nicht mehr weit her ist. Die ZEIT Autorin Annabel Wahba beschreibt das etwa so:

Der Lastenkorb am Lenker schwenkt aus wie die Führerkabine eines Schwertransporters, das Rad neigt sich wie ein ICE T in der Kurve.

Regeln auf Rädern

Hat man es hier überhaupt noch mit einem Fahrrad zu tun? Tatsächlich ist ja allein die Überlegung eine Aberwitzige: Ein gewaltiges Lastenrad vorm Supermarkt an den Radständer gemeinsam mit all den Rennrädchen anzuschließen. Wie soll das gehen? Selbstredend hat der Staat hier nicht geschlafen. Es gibt bereits eine ganze Reihe von Regeln für die Riesenräder auf unseren Straßen.

Und ja, es gibt sogar eine Ausnahme für die Benutzung von Radwegen. Die Fahrt auf der Straße ist nämlich, sollte der Radweg für den Fahrer unzumutbar sein „nicht zu beanstanden“.  Die Parkregelung darf natürlich auch nicht fehlen. In dieser wird das Abstellen am Fahrbahnrand erlaubt. Solange natürlich nur, wie es niemanden stört. Andernfalls wird ein kostenpflichtiger Parkplatz nötig. Eine recht vage Regelung. Wir dürfen gespannt sein auf die kommenden Streitszenen zwischen Lastenrad-Fahrern und dem Ordnungsamt.

Lastenrad in Berlin von Velogista
Bild: Lastenrad in Berlin von Velogista – © Velogista GmbH

Umzug mit dem Rad?

Kürzlich schreibe eine Berliner Tageszeitung davon, dass Lastenräder jetzt auch für Umzüge zur Hilfe stehen. Das hat uns ein wenig stutzig gemacht. Wir können uns noch vorstellen, die Kinder und einen Kasten Bier zu befördern. Beim Transport eines Kühlschranks kommen uns jedoch Zweifel. Können wir uns in Zukunft den Transporter sparen?

Das Unternehmen Velogista bietet seit einiger Zeit einen städtischen Paketversand an, der große Lieferungen bis zu 250 Kilogramm noch am selben Tag zustellt. Dort haben wir einmal nachgefragt, wie deren Erfahrungen mit Umzügen aussehen. Und siehe da: “Lastenräder können bis zu 300 Kilogramm im typischen Europalettenformat transportieren.” berichtet Mitarbeiterin Miriam Gieseking. Immerhin, denken wir uns! Aber was machen wir nun mit unserem Kühlschrank?

Wie viel könnte man mit einem Lastenrad transportieren?

“Wer nicht mehr als ein paar Kisten für seinen Umzug hat, kommt mit einem Lastenrad schon hin. Große Wohnungsumzüge mit Möbeln haben wir bisher aber noch nicht gemacht“ sagt Giesking. Dafür aber „Büroumzüge oder den Transport von Stühlen zu einer Veranstaltung“ etwa. Richtig gut macht sich das Lastenrad auch für „Transporte vom Baumarkt nach Hause, wenn man in der Stadt lebt”.

Tja. Den Umzug mit dem Lastenrad zu machen, das kommt aktuell allerhöchstens für Studenten oder ausgesprochene Minimalisten in Frage. Wer aber größere Möbelstücke und Geräte besitzt, sollte sich keine Illusionen machen. Das Lastenrad kann viel mehr als man denkt. Aber der Umzug wird wohl in aller Regel weiterhin mit dem Transporter stattfinden müssen.

Bei den Preisen und Unwägbarkeiten ist es wohl am klügsten, der ganzen Angelegenheit erst mal probeweise entgegenzutreten. Wie gut, dass es in den meisten großen Städten Lastenrad-Verleihstationen gibt! In Berlin sitzt sogar ein Verein mit dem Namen „Freien Lastenradler“, der Lastenräder kostenlos abgibt. Lediglich angemeldet sein und einen Tag auswählen muss man. Schon kann’s los gehen! Als Alternative bietet sich eine Karte unter VCD.org an. Dort haben sich Händler mit Verleihoption bundesweit eingetragen.

Die Vorteile des E-Lastenrads gegenüber dem Auto

Vielleicht haben die Verfechter der Branche also recht: Das Lastenrad kann einen großen Teil unserer Bedürfnisse erfüllen. Pakete transportieren, Einkäufe nach Hause und Kinder zur Schule bringen. Sicher: man muss schon ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Eine Portion Wettergleichgültigkeit mitbringen sollte man wohl auch.

Dafür aber haben wir mit dem Gefährt einen im Vergleich zum Auto 44-mal geringeren CO₂-Ausstoß. Zudem sind sie das gesündere Fortbewegungsmittel. Die Straßen könnten auch noch entlastet werden. Und für größere Transporte gibt es immer noch Autos und Transporter. Gefährte, die sich problemlos mieten lassen. Fazit: Lastenräder könnten die Mobilität der Zukunft mitgestalten und ein Teil der Smart City Strategie werden.

Wir jedenfalls können kaum warten, uns zumindest testweise einmal auf ein solches Ungetüm zu schwingen. Die Kinder lassen wir zunächst sicherheitshalber lieber erst einmal zuhause. Probiere es auch mal aus!

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